Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden

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Inhalt: Geschichtliche Entwicklung der Wasserbauverwaltung

Geschichtliche Entwicklung der staatlichen Wasserbauverwaltung in Ostfriesland

(Auszug aus "175 Jahre staatliche Wasserbauverwaltung in Ostfriesland", WSA Emden 1990)

1. Die Bedeutung des Wasserbaus in Ostfriesland

In Ostfriesland haben Wasserbauarbeiten aller Art seit vielen Jahrhunderten eine besonders große Bedeutung, ermöglichen sie doch überhaupt erst eine dauerhafte Besiedlung und Bewirtschaftung der Marschen, eine Erschließung der Moorgebiete, eine Sicherung der Küsten mit den vorgelagerten Inseln sowie einen sicheren Schiffsverkehr auf der Ems, ihren Nebenflüssen, auf ausgebauten Tiefs und Kanälen. Der Bau und die fortlaufende Unterhaltung der geschlossenen Deichlinien seit dem späten Mittelalter stellte eine wasserbauliche Großtat dar, zumal hiermit die Anlage von vielen Sielen zur Entwässerung des Binnenlandes verbunden war.

Nach den großen Meereseinbrüchen wurden am Dollart und an der See Polder gewonnen und die heutige Küstenlinie bildet sich allmählich heraus. Erste Strombaumaßnahmen größerer Art sind erst am Ende des 16. Jahrhunderts erfolgt. Das Seezeichenwesen an der Ems kann jedoch auf eine 450 jährige Tradition zurückblicken, wie noch erläutert wird.

Die Sparten Küsten- und Inselschutz sowie Kanal und Hafenbauten haben in Ostfriesland erst seit jüngerer Zeit an Bedeutung zugenommen. Im folgenden soll die Entwicklung der Wasserbauverwaltung zur heutigen Struktur in großen Linien aufgezeigt werden.

2. Die Durchführung wasserbaulicher Maßnahmen zur Zeit der ostfriesischen Grafen bzw. Fürsten (1464-1744)

Die vorgenannten vielfältigen Wasserbauarbeiten größeren Stils wurden zur Zeit der Herrschaft der Cirksenas von verschiedenen Instanzen durchgeführt; eine zentrale, koordinierende Wasserbauverwaltung war nicht vorhanden. Gestützt auf ein Privileg Graf Ennos 11 von 1539 errichtete die Stadt Emden an der Ems Seezeichen, um den Seehandel zu fördern.

Der Seezeichendistrikt umfaßte ursprünglich auch das Groninger Watt; hieran erinnerte jahrhundertelang die Bezeichnung „Emder Kaap" auf der niederländischen Insel Rottum. Auf der Insel Borkum zeugt noch heute der etwa 40 m hohe quadratische Turm, der 1576 als Tagesmarke erbaut wurde, von der Bedeutung Emdens für das Seezeichenwesen an der Ems.

Von 1583 bis 1631 baute und unterhielt die Stadt Emden das 4,5 km lange „Nesserlander Höft" in der Ems, um den Emslauf, der infolge der Cosmas- und Damianflut von 1509 die Emsschleife bei Emden verlassen hatte, wieder in das alte, unter Emden entlangführende Emsbett zu leiten. Dieses erste große Strombauwerk hatte jedoch keinen Bestand und in der Folgezeit verlandete der alte Emslauf. Weitere, von Emden und Emder Bürgern veranlaßte Wasserbaumaßnahmen sind z. B. die Anlage des Fehntjer Tiefs und des Große Fehns (1633).

Die meisten Deichbaumaßnahmen wurden hingegen von den Deichachten durchgeführt, während viele kleine Sielachten für den Bau und die Unterhaltung der vielen Holzsiele zuständig waren. Größere Eindeichungen an der Küste und an Meeresbuchten lagen in Händen von Kapitalgesellschaften und bäuerlichen Interessenverbänden. Die fürstliche Verwaltung kümmerte sich speziell um die Anfänge der Inselschutzmaßnahmen, da die ostfriesischen Inseln zum Privatvermögen des Hauses Cirksena gehörten.

3. Die Organisation der Wasserbauarbeiten in der ersten preußischen Zeit (1744-1806)

Nach dem Übergang Ostfrieslands an das Königreich Preußen wurde auch rasch in Ostfriesland eine funktionierende straffe Verwaltung eingerichtet, und so gehörten zur ostfriesischen Kriegs- und Domänenkammer in Aurich auch Bau-Offizianten. Hieraus resultierte eine Förderung des Seehandels, der Fischerei und der allgemeinen Landeskultur.

Als Beispiele für die Weiterentwicklung von Wasserbaumaßnahmen seien aufgeführt:

 

4. Das Wasserbauwesen zur Zeit der Fremdherrschaft (1806-1813)


Die holländische Zeit war zu kurz, um durchgreifende Änderungen in der Organisation des Wasserbauwesens hervorzurufen. Jedoch wurde Ostfriesland als Teil der Directie Amsterdam des Rijkswaterstaats betrachtet. In Aurich war als Repräsentant dieser Verwaltung van Diggelen tätig und seine erste Aufgabe bestand darin, alle Deiche und sonstige Schutzwerke zu inspizieren und zu erfassen.

Aus der anschließenden kurzen französischen Zeit ist die bedeutende hydrographisch-kartographische Arbeit von

C. F. Beautemps-Beaupres „Plan de 1'embouchure de l'Ems" erwähnenswert.


5. Preußischer Neubeginn nach der napoleonischen Zeit

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Herbst 1813 besetzte Graf Carl von Wedel aus Loga Ostfriesland und kündigte die Rückkehr der preußischen Herrschaft an. Bereits unter dem 18. November 1813 befindet sich im Staatsarchiv zu Aurich ein Handschreiben, daß

„der ehemalige königliche preußische Kammer-Präsident Herr von Bernuth berufen wurde, die Geschäfte des Präfekten für die Provinz Ostfriesland zu übernehmen und er sich derselben von heute an unterzogen hat".

Das „hohe Civil-Gouvernement zwischen Weser und Ems" bildete im März 1814 eine „Landesdirektion Ostfriesland", die unter der Leitung des Landesdirektors von Bernuth die gesamte Verwaltung der Provinz in Polizei-, Steuer- und Domänenangelegenheiten übernahm.

In erster Linie wurde auf bewährte Beamte der vorangegangenen französischen und niederländischen Zeit zurückgegriffen, die teilweise sogar vor 1807 (Friede von Tilsit) auch schon in preußischen Diensten gestanden hatten. Um sicher zu gehen, daß auch alle Beamten ihren Dienst loyal versehen würden, beurteilte der Landesdirektor von Ostfriesland unter dem 25. November 1814 alle 105 Beamte seines Direktionsbereiches.

Hier taucht auch der Name Johann Niclas Franzius auf, der damals bereits 53 Jahre war und schon seit 1785 Dienst in ostfriesischen Wasserbauverwaltungen getan hatte. Seine Beförderung zum Baudirektor in der Provinz Ostfriesland wurde unter dem 30. November 1814 im Politischen Journal für die Provinz Ostfriesland bekanntgemacht.

Da das Aufgabengebiet des „Baudirektors in Ostfriesland" mit dem Schwergewicht beim Wasserbau lag und der Landbau (entsprechend dem heutigen Hochbau) sowie der Wegebau im Vergleich hierzu nur gewisse Nebenaufgaben darstellten, kann die Anstellung des Baudirektors in Ostfriesland Johann Niclas Franzius als Einrichtung der Wasserbauverwaltung in Ostfriesland angesehen werden.

Dieses Datum sollte zwar nicht zu einem Gründungsdatum der Wasserbauverwaltung in Ostfriesland hochstilisiert werden; es markiert aber doch ein wichtiges Datum der staatlichen Wasserbauverwaltung in Ostfriesland.

Um eine einheitliche Verwaltung des Land- und Wasserbaus sowie des Deich- und Sielwesens zu erreichen, wurde die Provinz in vier Baukreise eingeteilt. Fast gleichzeitigwurden die Beförderungen im Politischen Journal für die Provinz Ostfriesland ausgesprochen, nämlich

Dieses waren sogenannte „Einmannbehörden" ohne weiteren Unterbau. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben bedienten sie sich der Siel- und Deichachten, Städte und Ämter. Sie hatten in ihrem Dienstbereich die selbständige Leitung der Land- und Wasserbauaufgaben und waren der Landesdirektion direkt unterstellt. In der Stadt Emden war selbst der Stadtbaumeister Nanninga durch Verfügung der Aufsicht und Leitung des Bauinspektors Kettler untergeordnet.

Die Bauinspektoren führten als Vorgesetzte die Aufsicht über die Deich- und Sielachten. Sie hatten zusammen mit den Deichinteressenten jährlich einen Deichbauetat aufzustellen, sie überwachten die Ausschreibungen und Verdingungen der Bauarbeiten als zuständige Ortsbehörde und schauten mindestens zweimal im Jahr die Deiche und Siele, um anschließend der Landesdirektion darüber ausführlich zu berichten.

Seit 1815 bestand eine „Commission zur generalen Deich-, Siel- und Inselbereisung", der der Baudirektor Franzius angehörte und die jährlich eine Bereisung durchführte, um die notwendigen Maßnahmen zum Schutze der Inseln und der Küste festzulegen. Es bestanden damals in Ostfriesland 36 Deichachten mit 60 Deichrichtern. Dazu kamen 85 Siele oder Schleusen und ebensoviele Sielachten mit 118 Sielrichtern.

 

6. Die Ostfriesische Wasserbauverwaltung im Königreich Hannover


Am 15. 12. 1815 erfolgte aufgrund der Konvention von Reichenbach die Übergabe Ostfrieslands von Preußen an das Königreich Hannover. In der Provinz Ostfriesland blieb zunächst alles beim alten. Die Landesdirektion wurde im Juni 1817 in „Provinzialregierung“ und im Mai 1823 in „Landdrostei Aurich“ umbenannt.

Der Baudirektor Franzius blieb jedoch weiterhin im Amt, ebenfalls seine Bauinspektoren.


Vom 12. April 1818 datiert die erste strom- und schiffahrtspolizeiliche Bekanntmachung der Königlichen Großbrit.-Hannoverschen Provinzial Regierung zu Aurich,

„Das Ruinieren, Stehlen und Absägen der Stechbaken am Fahrwasser und hinter Nesserland betreffend“.

Vor „fernerer Ausübung eines solchen Unfugs“ wurde gewarnt und man wollte die „Strenge der Gesetze“ anwenden. „Demjenigen, welcher einen solchen Fall erweislich denunziert...“, sollte eine Belohnung von 5 Reichstalern zuerkannt werden.

 

Abb. 1:

Öffentliche Bekanntmachung der Beförderung von Domäneninspektor Franzius zum “Baudirektor in der Provinz Ostfriesland“. Diese Beförderung kann als Gründungsakt der ostfriesischen Wasserbauverwaltung seit 1814 angesehen werden.

(zum Vergrößern in das Bild klicken)

Abb. 2:

Die erste schiffahrtspolizeilicheAnordnung nach der Neuordnung der Wasserbauverwaltung. “Stechbaaken“entsprechen unseren heutigen Prikken.

(zum Vergrößern in das Bild klicken)

 

 

 

 


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