Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden

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Inhalt: Der Ems-Seitenkanal

Der Bau des Ems-Seitenkanals

Bei dem Projekt zum Bau des Ems-Seitenkanals handelte es sich um einen alten Plan, die großen Stromgebiete von Rhein, Ems, Weser und Elbe durch einen Kanal zu verbinden. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Zeit zunächst der Dortmund-Ems-Kanal.

Ein erster Gesetzentwurf lag bereits 1883 vor, der jedoch nicht zur Ausführung kam, da auch Kanalinteressenten in den östlichen preussischen Provinzen zu berücksichtigen waren. Daher wurde 1886 ein neuer Gesetzentwurf eingebracht, der die Herstellung eines Dortmund-Ems-Kanals vorsah.

Dieses Gesetz wurde angenommen und es sah u. a. vor, von Oldersum ab einen Seitenkanal nach Emden anzulegen und den Hafen Emden entsprechend der zu erwartenden Verkehrssteigerung um- und auszubauen.

 Gründe für den Bau des Kanals von Oldersum nach Emden:

Die Unterems ändert bei Oldersum nicht nur ihre Laufrichtung, sondern sie wird erheblich breiter. Vor der Jahrhundertwende gab es an beiden Seiten noch weite Wattgebiete und unterhalb von Pogum öffnete sich das Dollartbecken - der Geiseleitdamm war noch nicht vorhanden und auch die Hafenanlagen von Emden (Neuer Binnenhafen) fehlten. Bei schlechtem Wetter, Nebel und Eisgang bestand daher für kleine Schleppkähne eine große Gefahr, den Hafen Emden über die breite Unterems anzulaufen, zumal vor Emden noch "aufgedreht" werden mußte, um den Außenhafen zu erreichen. Eine Kanaleinmündung in den Binnenhafen Emden schuf die Voraussetzungen für eine Hafenerweiterung mit der Möglichkeit, Industriebetriebe anzusiedeln. Hierauf ist der heutige Industriehafen mit mehreren Seitenbecken zurückzuführen.

Karte
    Kartenausschnitt

Schließlich konnte der Seitenkanal die Entwässerungsverhältnisse in den Marschgebieten östlich von Emden verbessern. Daher erhielt die Schleuse Oldersum von vornherein auch die Funktion eines Sieles und bei der Einmündung des Kanals in den Emder Hafen wurde ebenfalls eine Schleuse angelegt, die Borssumer Schleuse.

 Bau des Kanals

Der etwa 270 km lange Dortmund-Ems-Kanal mit 484 größeren Bauwerken ist in der erstaunlich kurzen Zeit von acht Jahren erstellt worden. Die Bauarbeiten für den 9 Km langen Seitenkanal mit zwei Schleusen und acht Brücken dauerten etwa von 1894-1897.

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    Brückenanlagen über den Ems-Seitenkanal

Als Trasse für den Kanal ergab sich eine Linienführung parallel zur Eisenbahn. Für die zu kreuzenden Feldwege und Straßen mußten Hochbrücken angelegt werden. Als Baustelle für die Eingangsschleuse Oldersum wurde der Ortsrand des Dorfes festgelegt. Die Baugrube konnte im Schutze des Hauptdeiches hergestellt werden.

 Schiffahrt auf dem Kanal früher und heute

Der Seitenkanal diente in den ersten Jahrzehnten nach der Fertigstellung der Fahrt von Schleppzügen. Selbstfahrer waren damals noch sehr selten. Entsprechend den Schleusenabmessungen konnten nur kleine Fahrzeugeinheiten auf dem Kanal verkehren; ein geplanter Ausbau des Seitenkanals für größere Fahrzeuge hat nicht mehr stattgefunden. Das Verkehrsaufkommen ist allmählich zurückgegangen, von einer durchgehenden Berufsschiffahrt kann man heute nicht mehr sprechen.

Eine besondere Bedeutung hat der Seitenkanal aber für Sportboote bekommen. Hierbei ist zu bedenken, daß der Kanal mit verschiedenen Tiefs und Kanälen in Verbindung steht. Das Aufkommen an Sportbooten hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen, wobei die Gründung verschiedener Sportbootvereine und die Anlage von Sportboothäfen in Emden, Friesland, Petkum, Gandersum und Oldersum sicherlich beigetragen hat. Auch der Sportboothafen und das Erholungsgebiet von Timmel sind über den Seitenkanal zu erreichen.

Von besonderer Bedeutung für Oldersum ist schließlich der öffentliche Umschlagsplatz am Seitenkanal, direkt hinter der Schleuse. Diese Umschlagstelle diente ursprünglich dem Verladen von Torf, Kohlen und Baumaterial. Im Laufe der Zeit wurden hier auch andere Baustoffe und Kunstdünger umgeschlagen. Seit einigen Jahren findet in der Hauptsache ein Kiesumschlag statt, wodurch die Oldersumer Schleuse wieder stärker genutzt wird.

 Seeschleuse Oldersum

In Oldersum stellt die Seeschleuse die Verbindung des Ems-Seitenkanals mit der Unterems her. Die Schleuse wurde von 1894 bis 1897 errichtet und besteht aus zwei gemauerten Häuptern und einer 100 m langen, mit geböschten Wänden eingefaßten Kammer.
Neben dem Schiffsverkehr, im wesentlichen handelt es sich um Binnenschiffe mit Kies für die Umschlagstelle Oldersum und um Sportboote, dient die Schleuse auch der Entwässerung der Emsmarschen zwischen Oldersum und Emden.

 Grundinstandsetzung der Schleuse Oldersum

Aufgrund festgestellter Schäden oberhalb der Wasserlinie wurde die Schleuse Oldersum zwecks Durchführung einer Bauwerksprüfung in den Unterwasserbereichen im Jahre 1988 trockengelegt. Nach erfolgter Trockenlegung wurde seitens der Bundesanstalt für Wasserbau ein Gutachten über den baulichen Zustand der 100-jährigen Schleuse erstellt. Das Gutachten hatte folgendes Ergebnis:

Auf Grundlage des Gutachtens wurden seitens des WSA Emden mehrere Alternativen für eine Grundinstandsetzung untersucht. Unter Berücksichtigung aller Randbedingungen wurde entschieden, das Außenhaupt an gleicher Stelle mit den gleichen Abmessungen neu zu bauen sowie das Binnenhaupt Instandzusetzen. Die Grundinstandsetzung wurde über einen Zeitraum von 4 Jahren mit einem Kostenaufwand von rd. 7,5 Mio. € durchgeführt.

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Ansicht auf die Kammer der Schleuse Oldersum