Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden

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Inhalt: Kleiner Leuchtturm Borkum

Der Kleine Leuchtturm Borkum ist außer Dienst gestellt

von Gregor Ulsamer

 

Der äußerste Bereich der Emsmündung gabelt sich in Westerems und Hubertgat, die durch eine große Sandbank voneinander getrennt sind. Mehr als 112 Jahre lang wies der Kleine Leuchtturm Borkum den Schiffen in diesem Bereich der Emsmündung den Weg. Im Sommer 2003 schaltete das WSA Emden das Leuchtfeuer Hubertgat ab. Wir nehmen dies zum Anlass für einen historischen Rückblick.

Am 1. März 1883 hatten Seezeichenexperten der preußischen und der niederländischen Regierung, die sogenannte Emskommission, beschlossen, ein Leuchtfeuersystem für die Emsmündung zu errichten. Hierzu gehörte als eines der wichtigeren Projekte der Bau einer Leitfeuer-Anstalt mit einem neuen Leuchtturm auf Borkum. Auf der deutschen Seite der Ems herrschte Gründerzeit-Stimmung mit großen Baumaßnahmen: Auf Borkum wurden für den Inselschutz Strandmauern und Buhnen gebaut; die Hotels entstanden. Ein neuer Schifffahrtskanal verband von Emden ausgehend die Ems mit der Jade. Die neu errichtete Nesserlander Schleuse verhinderte das Verschlicken des Emder Hafens und ermöglichte es großen Seeschiffen von sechs bis sechseinhalb Metern Tiefgang, Emden anzulaufen und Tide unabhängig im Hafen zu liegen Und auch das Ems-Fahrwasser nach Leer und Papenburg war erheblich verbessert worden. Die niederländische Regierung ihrerseits hatte die Stadt Groningen über einen Kanal mit dem Seehafen Delfzijl verbunden. Beide Länder waren interessiert daran, analog zu anderen Seehäfen, auch auf der Ems der Schifffahrt die Zufahrt von See bei Nacht zu ermöglichen. Dies war seitens der Reeder wiederholt gefordert worden.

 

Die Beleuchtung der Unterems

alte Karte - Einfahrt in die Emsmündung um 1891

Lageplan, Einfahrt in die Emsmündung um 1891. 
Die Ballonplate trennt die Westerems vom Hubertgat. 
Die Hubertplate liegt noch östlich von Rottum.

 

Die Maßnahme erhielt den Namen Beleuchtung der Unterems. Dieser Begriff mag heute seltsam erscheinen, aber damals gab es weder Gaslicht noch elektrisches Licht auf Borkum und es muss nachts im Bereich der Insel, vom Großen Leuchtturm mit seinem offenen Petroleumfeuer in der Laterne abgesehen, vollständig dunkel gewesen sein! Dem vielfach gewundenen Fahrwasser entsprechend sah das Projekt den Bau eines Leuchtturms auf Borkum mit einer  Größe von 32 m Höhe und 16 Seemeilen Sichtweite vor, des Weiteren Leitfeuer auf der Insel Rottum, bei Campen, bei Pilsum, bei Watum an der niederländischen Küste und bei Delfzijl sowie zwei Quermarkenfeuer an der Randzelplate. Der Borkumer Turm sollte von See her kommenden Schiffen zwischen den Riffen sowohl die Einfahrt in die Westerems  als auch in das Hubertgat mit je einem Leitfeuer bezeichnen. Beide Fahrwasser führten zu der damaligen Zeit direkt auf den Turm zu! Leitfeuer, nach der Art ihrer Lichtverteilung auch Sektorenfeuer genannt, bezeichnen den tiefen Teil der Schifffahrtsstraße mit einem festen gebündelten Lichtstrahl, dem Leitsektor. Links und rechts vom Leitsektor warnen sogenannte Warnsektoren die Schifffahrt durch markante Lichtblitze vor den Untiefen am Rande des Fahrwassers. Die Verwaltung und die beauftragten Firmen betraten mit dieser Maßnahme auf zahlreichen Gebieten Neuland. Das Vorhaben verlangte herausragende Ingenieurleistungen im Bauwesen und in der Elektrotechnik. Es war sensationell genug, um vom Kgl. Preußischen Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Berlin, noch 1906 auf der Weltausstellung in Mailand präsentiert zu werden.

 

Der Turm - das erste Fertighaus auf Borkum

1886 erteilte die Wasserbau-Inspektion Emden den Auftrag zum Bau eines neuen, neben dem Alten und dem Großen Leuchtturm, nun dritten Leuchtturms auf einer zehn Meter hohen Düne an der Südwestseite Borkums. Kleiner Leuchtturm, wie er heute amtlich heißt. Er war der erste einer Reihe von neun in Deutschland gebauten großen gusseisernen Leuchttürmen.

 

Leitfeueranstalt Borkum in den Süddünen

Leitfeueranstalt Borkum in den Süddünen

 

 

Die Isselburger Hütte fertigte den Turm 1887/1889 aus Segmenten von 27 Millimetern Wandstärke, sogenannten Tübbingen. Auf der Düne in Borkum wurden diese auf einem drei Meter hohen Grundmauerwerk aufgestellt und an Flanschen innen verschraubt. Die Zwischenräume verfugte man mit Eisenfeilspänen. Vier Ringe von jeweils sechzehn Segmenten übereinander, insgesamt drei Meter hoch, bilden innerhalb des Turmes ein Stockwerk. Im Innern des Turmes trägt eine Hohlsäule von zwei Metern Durchmesser die Decken der einzelnen Stockwerke mit. Der Turm ist sechzehneckig und verjüngt sich nach oben. Ursprünglich trug er über seinem rot-weiß waagerecht gestreiften Anstrich und der weißen zweistöckigen Laterne ein grünes kuppelförmiges Dach. Die Gesamthöhe betrug 27,9 Meter. Die schweren Gusseisenteile wurden mit Pferdefuhrwerken auf die Düne gebracht. Ein 19jähriger Monteurgehilfe der Hütte soll unter die Räder eines Fuhrwerks gekommen und dabei tödlich verletzt worden sein. Auf dem gleichen Grundstück errichtete die damalige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ein Leitfeuer-Gehöft , eine Anordnung mehrerer Gebäude aus Wohnhaus für die Wärter, Stallungen, Kohlenschuppen und Maschinenhaus. Dieses Grundstück wurde an die Kleinbahn angeschlossen, deren Gleise vom Bahnhof kommend von den Loogsterdünen in einem großen Bogen zur Leitfeueranstalt führten.

 

Das Leuchtfeuer

Der Kleine Leuchtturm Borkum war der erste, für elektrischen Betrieb gebaute Leuchtturm in Deutschland. Im Borkumer Volksmund heißt er deswegen auch "De Elektrische Toren" . Die Seezeichenverwaltung unter der Leitung des Ministerialrats Walter Körte und die beteiligte Industrie gingen auch hier neue Wege.
Bislang lebte man in dieser guten alten Zeit mit Waltran, Rüböl oder Petroleum gespeisten Lampen oder Kerzen. Die Glühlampe war erst zehn Jahre zuvor erfunden worden. Die Helios Elektrizitäts-AG in Köln-Ehrenfeld wurde beauftragt, als Lichtquelle eine geeignete Kohlenbogenlampe zu entwickeln und zu liefern. An den Einsatz von Glühlampen für Leuchtfeuerzwecke war noch gar nicht zu denken. Helios untersuchte die Lichtbögen verschieden geneigter Kohlen. Da das Licht der elektrischen Bogenlampe so stark war, dass es mit der dort vorhandenen Photometerbank nicht gemessen werden konnte, beschrieben und skizzierten ihre Ingenieure die Kurven gleicher Helligkeit, die Lichtverteilung. Sie konstruierten daraufhin eine Lampe, deren Lichtkohlen in Horizontalebene angebracht und um je 30° nach hinten abgewinkelt waren. Diese Lampe war im Laternenraum auf einem Wagen montiert und darauf in der Höhe und hinsichtlich des Abstandes zur Leuchte einstellbar. Seitlich konnte der Wagen mittels zweier feststehender Achsen und vier Rollen auf einem Schienengleis parallel zur Laternenwand verschoben und bei Bedarf eine zweite, gleichartige Lampe in den Brennpunkt gefahren werden. Die Lampe benötigte einen Strom von 50 bis 60 Ampere, der von Wechselstromgeneratoren des Maschinenhauses geliefert wurde.

Bei einem längeren Ausfall einer der beiden Lampen konnte eine kleinere, für etwa 20 Ampere und 8,3 Stunden Brennzeit ausgelegte Reservelampe, die nach den gleichen Prinzipien konstruiert war, auf dem entsprechenden Wagen montiert werden. Zur Verstärkung der Lichtquelle lieferten die Gebr. Picht & Co., Rathenow, einen Fresnelschen Festfeuerapparat, eine Leuchte von 1,20 Meter Höhe und 500 Millimeter Brennweite.

Alle ihre Glasteile mussten für die Höhe und Tragweite des Feuers berechnet und geschliffen und in eine geeignete Form eingebaut werden. Die Leuchte wurde nicht in der Mitte der Laterne, sondern an ihrer landseitigen Wand aufgestellt, um zur besseren Unterscheidung der Sektorenübergänge einen großen Abstand zu den am Fenster angeordneten Otterblenden zu erhalten. Diese bestanden aus leichten, dünnen, senkrecht gestellten Blechstreifen, die so drehbar angeordnet waren, dass sie in der einen Stellung das Licht ungehindert durchließen, in der anderen Stellung jedoch vollständig absperrten. Alle Blechstreifen eines Sektors waren durch eine Führungsstange miteinander verbunden. Der gesamte Blendenrahmen ruhte in der Höhe des Fensterausschnittes, aufgebockt auf zwei Antriebswerken. Diese wurden durch vier Gewichte von je rund zwanzig Zentimetern Durchmesser getrieben, die im zentralen Schacht des Turmes hingen.

Die Helios AG, 1884 gegründet und um 1900 zu den sieben großen Elektrounternehmen zählend, ging 1903 wegen unternehmerischer Fehler in Konkurs.

 

Die Energieversorgung

Das Maschinenhaus erhielt einen hohen Schornstein und zwei Dampfmaschinen von 19 PS Leistung und mit drei liegenden Dampfkesseln; sie erforderten rund 250 kg Kohle pro Tag. Über zwei große Schwungräder, die für gleichmäßigen Gang sorgten, und breite Riemen trieben die Maschinen je einen Wechselstromdynamo und lieferten so die für den Betrieb der Lampen erforderliche elektrische Energie. Es war das erste Elektrizitätswerk auf Borkum, dem einige weitere private Elektrizitätswerke folgten. Erst über 30 Jahre später, 1922 richtete die Gemeinde Borkum das erste öffentliche Stromnetz ein (230 Volt Gleichspannung). An dieses wurde die Leitfeueranstalt erst 1940 angeschlossen.

 

Der Dienst

Der Betrieb dieser ersten elektrischen Feuer war sehr teuer. Die rund zwei Zentimeter dicken Kohlenstäbe brannten während des Betriebes ab und mussten nachgeführt werden, damit der Strom immer einen gleichmäßigen Lichtbogen erzeugen konnte. Dies beanspruchte die ständige Aufmerksamkeit der Leuchtfeuerwärter. Leuchtfeuerwärter war übrigens auch die amtliche Dienstbezeichnung; schließlich war das Licht damals offenes Feuer aus verschiedenen Lampen das entscheidende Medium, das es zu betreuen galt, und nicht das Gebäude. LeuchtTURMwärter hat es im deutschen Seezeichendienst meines Wissens nicht gegeben. Neben den Leuchtfeuerwärtern musste Maschinenpersonal nachts die Dampfmaschine betreiben und bewachen, um die Lampen mit elektrischer Energie zu versorgen. Die aufwändige Arbeit erforderte entsprechendes Personal und sicherte zahlreichen Borkumern ein, wenn auch geringes Einkommen. Namentlich bekannt aus der Jahrhundertwende sind heute noch Meeuw, Spannhoff, Bergmann, Apkes, Albert Byl (Hülfsheizer- und Hülfsleuchtfeuerwachen auf der Leitfeuer-Anstalt Borkum (mein Urgroßvater)), Horn (Maschinenmeister), Zander und Herrlein (Herlijn?). Anteilig wurden die Personalkosten der Leuchtfeuerwärter von der niederländischen Seite mitgetragen.

 

Die See-Telegraphenanstalt

Anfang 1892 vereinbarten das Reichs-Postamt, das Reichs-Marineamt, das Reichsamt des Innern und die Königlich Preußischen Minister der Öffentlichen Arbeiten und für Handel und Verkehr, auf der Insel Borkum eine See-Telegraphenanstalt einzurichten. Die allgemeine Leitung des Betriebes sollte der Reichs-Telegraphenverwaltung gemäß den Bestimmungen zum Internationalen Telegraphenvertrag unterstellt werden. Die Königlich Preußische Regierung stellte das Leuchtfeuerpersonal und die Kaiserliche Marine die Signaleinrichtungen. Der Schifffahrt auf der Ems wurde hierdurch die Möglichkeit eingeräumt, durch Flaggensignale mit dem Personal des Kleinen Leuchtturms Nachrichten auszutauschen und weiterleiten zu lassen. Die Seetelegraphenanstalt für inländischen Verkehr nahm zum 15. April 1894 ihren Betrieb auf. Zum 30. März 1900 wurde die Seetelegraphenanstalt auf allgemeinen Verkehr ohne Beschränkung umgewandelt (Friedens-Tag-Signalstation mit ständigem Ausguck).

 

Die Küstenfunkstelle Borkum

Kleine Leuchtturm mit dem Antennenmast der Borkumer Küstenfunkstelle

Der Kleine Leuchtturm mit dem Antennenmast derBorkumer Küstenfunkstelle.

Links im Bild der Schornstein der Dampfmaschinenanlage.

 

Geschichte machte der Kleine Leuchtturm, als in ihm am 15. Mai 1900 in Verbindung mit dem damaligen Feuerschiff Borkumriff der erste amtliche regelmäßige Funkdienst der Welt eröffnet wurde. Auf Veranlassung und zu Lasten des Norddeutschen Lloyd in Bremen richtete die Reichs-Post und Telegraphenverwaltung einen Schiffsmeldedienst ein. Die Knallfunkensender und Empfänger kamen von der Firma Marconi aus England. Die Leuchtturmwärter nahmen den Funkdienst neben ihren sonstigen Aufgaben wahr. 

 

 

Die erste Modernisierung 1906

Maschinenhaus

Die Dieselmotoren und Generatoren von 1906 im Maschinenhaus

 

Ende 1906 wurden die Elektroenergieanlagen des Kleinen Leuchtturms ausgewechselt. Anstelle der Dampfmaschine ließ die Seezeichenverwaltung zwei Einzylinder-Viertakt-Dieselmotoren der Maschinenfabrik Augsburg und Nürnberg (MAN) aufbauen. Diese noch zu Lebzeiten Diesels hergestellten Motoren lieferten eine Leistung von 12 PS bei einem Hubraum von mehr als 10 Litern. Sie wurden mit Pressluft angelassen. Schwungräder von 2,4 Meter Durchmesser sorgten für einen gleichmäßigen Lauf mit 215 Umdrehungen pro Minute und trieben mittels eines Riemens je einen Gleichstromgenerator an. Der Gleichstrombetrieb ermöglichte die Verwendung von Akkumulatoren zur Speisung der Lampen. Die Akkus konnten am Tag aufgeladen und der Maschinenbetrieb somit auf den Tagesdienst beschränkt werden.

Die Siemens-Schuckert-Werke in Bremen entwickelten nach den Vorstellungen der Verwaltung eine ruhig brennende Gleichstrom-Bogenlampe, die sogenannte Preußische Bogenlampe, mit waagerechter, positiver Kohle und schräg von unten her gerichteter negativer Kohle. Ihre Klemmenspannung betrug 65 Volt bis 70 Volt bei einem Strom von rund 25 Ampere. Sie stand gemeinsam mit einer Ersatzlampe im Laternenraum auf einem Drehtisch. Beim Kohlenwechsel bedurfte es nur einer Drehung des Tisches, um eine neue Lampe an die Stelle der ausgebrannten zu setzen.

1924 ersetzte die Seezeichenverwaltung die Gleichstrom-Kohlebogenlampen durch eine Glühlampe von 2000 Watt/75 Volt. Diese hatte eine geringere Lichtstärke, erreichte jedoch immer noch eine Tragweite von 24 Seemeilen bei gesteigerter Zuverlässigkeit.

 

 

     SignalSignal  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild (links): Die leuchtfeuertechnische Einrichtung von 1906 mit der Preußischen 
Bogenlampe und der Leuchte der Fa. Gebr. Picht & Co. Im Hintergrund sind die 
Guss-Elemente der Turmwand erkennbar. 

Bild (rechts): Das Signal zeigt eine Abweichung von plus einem Meter an. 
Als Nachtzeichen sind Lampen an der Turmwand befestigt

 

 

Die Wasserstandssignalstation

1925 nahm die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Kleinen Leuchtturm eine Wasserstandssignaleinrichtung in Betrieb. Diese zeigte die Abweichungen des am Pegel der Emder Seeschleuse eingetretenen tatsächlichen Hochwasserstands vom vorausberechneten Hochwasserstand an.

 

 

Die zweite Modernisierung 1937

1937 lieferte die Firma Weule aus Goslar eine neu gefertigte Optik, eine 1,20 Meter hohe Gürtelleuchte mit 700 Millimeter Brennweite. Das Uhrwerk für die Otterblenden wurde außer Betrieb genommen und deren Gewichte 1938 ausgebaut. Die Dieselaggregate von 1906 machten neuen Diesel-Drehstrom und Wechselstromgeneratoren mit selbsttätiger Umschaltung Platz. Einer dieser Maschinensätze befindet sich noch heute im Maschinenhaus.

 

Das neue Leitfeuer Westerems 1961

Karte -alte Karte - Einfahrt in die Emsmündung um 1930

 

Die Ansteuerung der Ems um 1930. Die Hubertplate schiebt sich durch das Hubertgat-Fahrwasser.

Am Horsbornsand lösen sich Sandbänke ab.

 

Sturmfluten und Ebbe- und Flutströme verändern die Sandbänke und schiffbaren Rinnen ständig, wobei sich die Platen in der Regel von Ost nach West  verlagern und Sand in die Fahrrinnen eintreibt. Die Leuchtfeuersektoren müssen den Veränderungen entsprechend nachgestellt werden, soweit die Fahrrinne nicht durch Baggerungen stabil gehalten werden kann. Ende der 1950er Jahre war die Hubertplate soweit nach Norden vorgerückt, dass das Leitfeuer Westerems nicht mehr länger vom Kleinen Leuchtturm aus gezeigt werden konnte.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden entfernte daher 1960/61 ein im Großen Leuchtturm 17 Meter unter dem Seefeuer betriebenes Quermarkenfeuer, vergrößerte die dortige Fensternische, später Blumenfenster genannt, und richtete an ihrer Stelle ein neues Leitfeuer für die Westerems ein (diese leuchtfeuertechnische Einrichtung steht heute im Heimatmuseum Borkum). Zusätzlich zum bisherigen Leitfeuer Hubertgat, das im Kleinen Leuchtturm verblieb, wurde für die Durchfahrt zwischen Hubertplate und Horsbornplate im Großen Leuchtturm vorübergehend ein neues Leitfeuer eingerichtet, das den Namen Hubertgat II erhielt. Die Verlegung des Westerems-Leitfeuers in den Großen Leuchtturm (Einrichtung des Blumenfensters 1961) war die erste einschneidende Einschränkung am Kleinen Leuchtturm; dieser zeigte nun nur noch das Leitfeuer für das Hubertgat. Das Leitfeuer Westerems im Großen Leuchtturm, zuletzt mit einem modernen Präzisionssektorfeuer ausgestattet, wurde 1982 endgültig gelöscht, weil die Ballonplate bzw. die Hubertplate die Lage des Fahrwassers weiter verändert hatte. Seit 1989 wird dort ein
Quermarkenfeuer gezeigt.

 

 

Die Radarstation Borkum

1966 baute das Wasser- und Schifffahrtsamt Emden den Kleinen Leuchtturm zur Radarstation um und führte 1967 einen Radarprobebetrieb ein. Sie arbeitet heute als unbemannte Station des deutsch-niederländischen Verkehrssicherungssystems Ems und liefert über einen 70 Meter hohen Funkmast ein Radarbild der Emsansteuerung zur Verkehrszentrale Emden-Knock.

 

Das Präzisions-Sektorenfeuer für das Hubertgat 1983

Präzisions-Sektorenfeuer für das Hubertgat

Foto: © Frank Toussaint, Hamburg

 

Man hatte zwischenzeitlich neue lichtstarke, leuchtfeuertechnische Systeme für Leitfeuer entwickelt, sogenannte Präzisionssektorenfeuer . Es besteht aus einer Art überdimensionalem Diaprojektor. An Stelle eines Dias werden senkrechte Hell-Dunkel-Übergänge die Grenzen des Festsektors im Unendlichen, d. h. im Bereich des Fahrwassers, scharf abgebildet. Das Licht der Warnsektoren wird durch drehende Kennungsräder, die den dunklen Teil des Dias bilden, getaktet. In den Umfang dieser Räder sind im Rhythmus der Kennung Aussparungen gefräst. Das Licht, das durch diese Aussparungen fällt, erzeugt die Blitze der Warnsektoren.

Seit 1983 befindet sich im Kleinen Leuchtturm ein derartiges Feuer. Seine Xenon-Hochdrucklampe von 2000 Watt Leistung erzeugt eine Betriebslichtstärke von 4 500 000 Candela bei einem Gesamtöffnungswinkel des Leit- und der beiden Warnsektoren von nur drei Grad und einer Tragweite von 30 Seemeilen. Das neue Leitfeuer für das Hubertgat gehörte seitdem zu den lichtstärksten deutschen Leuchtfeuern.

 

Ems Einfahrt heute

 

Durch die ständige Verlagerung der Sände hat sich derzeit vor Borkum eine Barre in das Ende des Hubertgat-Fahrwassers geschoben und an die Hubertplate angelagert. Das Fahrwasser wird daher aufgegeben und zum Schifffahrtsweg herabgestuft. Das Präzisionssektorenfeuer ist außer Dienst gestellt. Die technische Einrichtung wird nach dem Löschen des Feuers im Turm verbleiben. Die alte leuchtfeuertechnische Einrichtung von 1937 befindet sich seit einigen Jahren als Leihgabe im Seezeichenmuseum auf dem Museumsfeuerschiff Amrumbank im Emder Ratsdelft.

 

Das Leitfeuer Hubertgat 2003:

Die Horsbornplate ist an die Hubertplate herangerückt und blockiert die freie Durchfahrt. Das Westerems-Fahrwasser oben links dreht sich im Gegen-Uhrzeigersinn. Es verläuft inzwischen parallel zum Hubertgat. Der Kurswechsel wird von Borkum aus mit der rot-weiß-grünen Quermarke aus dem Großen Leuchtturm markiert.

 

Leuchturm

Foto: © Frank Toussaint, Hamburg

 

Der Leuchtturm ist außer Dienst gestellt; vielleicht, bis sich die Riffe weiter so geändert haben, dass das Hauptfahrwasser wieder durch das Hubertgat führt.